Lufthansa feiert 100 Jahre und reflektiert über ihre umstrittene Vergangenheit

In this photo made with a long exposure, Lufthansa aircraft are parked at the airport in Frankfurt, Germany, on Wednesday, Feb. 11, 2026, the evening before Lufthansa pilots go on a warning strike.

Lufthansa hat ein Jubiläum, das sich gewaschen hat! Heute wird die erste „Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft“ in Berlin stolze 100 Jahre alt – das ist fast so alt wie der letzte Versuch, einen Koffer nach dem Flug zu finden! Aber keine Sorge, die großen Sause-Feierlichkeiten sind für April angesetzt, wenn der Erstflug ebenfalls sein 100.

UPDATE: Obwohl die heutige Deutsche Lufthansa AG rechtlich nichts mit der NS-belasteten Vorgängerin zu tun hat, bezieht sich damit der MDax-Konzern in seinen fliegerischen und technischen Traditionen auf sie.

Zum Jubiläum spendiert sich Europas umsatzstärkster Luftverkehrskonzern ein neues Besucher- und Konferenzzentrum, das im April mit Glanz und Gloria eröffnet werden soll. Im «Hangar One» unmittelbar neben der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen werden künftig zwei historische Propeller-Flugzeuge die Blicke auf sich ziehen: Eine Lockheed Super Star aus dem Jahr 1958 und eine Junkers Ju 52 aus dem Jahr 1936 sollen Technik zum Anfassen und gleichzeitig langjährige fliegerische Kompetenz vermitteln. Gleich sechs aktuelle Flugzeuge fliegen zudem mit einer Sonderlackierung, die das Kranich-Symbol mit der 100 und den Jahreszahlen 1926 und 2026 verbindet.

Lufthansa aircraft are parked at the airport in Frankfurt, Germany, on Wednesday, Feb. 11, 2026, the evening before Lufthansa pilots go on a warning strike.
Ein Flugzeug vom Typ Airbus A320-214 der Lufthansa fliegt über den Wolken am Himmel über Dresden.
Die Lufthansa Pilotin Evi Lausmann steht vor einer Boeing 747 auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen. Am 21. April 1996 feiert die Pionierin unter ihren derzeit 30 Lufthansa-Kolleginnen.
Der Rumpf der historischen Lockheed Constellation Super Star wird mit einem Schwertransport zu seinem neuen Standort im Besucherzentrum der Lufthansa am Flughafen Frankfurt gebracht.

Zum Jubiläum kommt die dringend notwendige Flottenerneuerung in Schwung. Vor allem bei der Lufthansa-Kerngesellschaft kommen nahezu im Wochentakt neue, effektivere Langstreckenflugzeuge mit der neuen Allegris-Kabine in die Flotte. Auch abseits der neuen Sitze hat man sich vorgenommen, das Flugerlebnis für die Passagiere umfassend zu verbessern. Auf Fernflügen soll es in allen vier Reiseklassen mehr Auswahl an Speisen geben und das komplette Equipment von Kissen über Bestecke und Tassen wird ausgetauscht. 187 Millionen neue Artikel sind dafür angeschafft worden. Erstmalig erhalten auch Eco-Passagiere für die Reise eine kleine Kulturtasche (Amenity Kit).

Die «Deutsche Luft Hansa AG» entstand 1926 auf Initiative der deutschen Reichsregierung aus der Fusion der bis dahin konkurrierenden Unternehmen Aero Lloyd und Junkers Luftverkehr, um die Ambitionen der deutschen Flugzeugindustrie zu bündeln. Laut Forschungen war das stark subventionierte Unternehmen eng in die vom Versailler Vertrag verbotene Aufrüstung des Deutschen Reiches eingebunden und später wichtiger Teil des nationalsozialistischen Kriegsapparats.

xxx Deutsche Lufthansa

Die zunächst zivil eingesetzten Junkers Ju 52 der Lufthansa wurden später mit geringen Mitteln für Zwecke der Nazi-Luftwaffe umgebaut. Im Zweiten Weltkrieg transportierten die langsamen, aber zuverlässigen Flugzeuge Material, Soldaten und Verwundete, wurden aber auch als Hilfsbomber eingesetzt. Die erste Hansa organisierte auch den Einsatz tausender Zwangsarbeiter unter ausbeuterischen Bedingungen bei der Flugzeugwartung.

Erst im April 1955 und damit fast zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs durften erste Linienflüge der neu gegründeten Deutschen Lufthansa AG abheben. Zunächst hatten die Alliierten den Deutschen jeden Luftverkehr untersagt. Juristisch hat der heutige Konzern nichts mit der Vorgängerin zu tun, sicherte sich aber aus der Liquidation die Rechte am Namen, an der Farbgebung und am ikonischen Kranich-Symbol. Die Marke Lufthansa war in der öffentlichen Wahrnehmung so stark, dass auch die DDR ihre Fluggesellschaft zunächst in «Deutsche Lufthansa» taufte und erst später wegen fehlender Markenrechte in «Interflug» umbenannte.

Die zunächst vollständig staatliche Deutsche Lufthansa AG im Westen wurde zwar im Unterschied zu ihrer Vorgängerin von der deutschen Flugzeugindustrie gelöst, hat sich aber gleichzeitig lange mit der belasteten NS-Vorgeschichte schwergetan. Eng waren die personellen Kontinuitäten zwischen der ersten und der zweiten Lufthansa, unter anderem mit dem Aufsichtsratschef Kurt Weigelt und Görings einstigem Inspekteur Luftschutz, Kurt Knipfer.

«Die Lufthansa wurde teils bis in die 1960er-Jahre hinein von Männern - Bankiers, aber vor allem Regierungsbeamten - beherrscht, die sie 1926 gegründet hatten und auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht von ihrem Pfad abweichen wollten», resümiert der Bochumer Historiker Lutz Budrass in seinem Buch «Adler und Kranich». 1999 trat der Konzern dem Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter und andere NS-Opfer bei.

Zum 100-jährigen Bestehen lässt Lufthansa ihre Verantwortung im Nationalsozialismus von den Historikern Hartmut Berghoff, Manfred Grieger und Jörg Lesczenski kritisch beleuchten. Ein Sprecher kündigt an: «Im März 2026 wird ein umfassender Geschichtsband erscheinen, der eine ausführliche und historisch fundierte Aufarbeitung der Rolle der Lufthansa in der Zeit von 1933 bis 1945 enthält. Auch eine Ausstellung im neuen Konferenz- und Besucherzentrum befasst sich unter anderem mit der Entwicklung in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland.»